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Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb: Ablauf, Voraussetzungen und UVgO-Praxis

Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb: Ablauf, Voraussetzungen und UVgO-Praxis

Wann die Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb zulässig ist: Praxis-Leitfaden zu UVgO-Voraussetzungen, Ablauf und freihändiger Vergabe im Überblick.

Flowchart for the negotiated procedure without qualification stage under UVgO with process steps
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Felicitas von Rauch

Felicitas von Rauch

Marketing & Sales

Key Takeaways

  • Die Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb ersetzt die ehemalige freihändige Vergabe unterhalb der Schwellenwerte.

  • Nach § 8 Abs. 4 UVgO ist das Verfahren nur in definierten Ausnahmefällen (z.B. Dringlichkeit, Monopol) zulässig.

  • Vergabestellen müssen in der Regel mindestens drei Unternehmen zur Angebotsabgabe oder Verhandlung auffordern.

  • Der Ablauf erfordert eine lückenlose Dokumentation der Gründe für den Verzicht auf den Teilnahmewettbewerb.

 

Einführung

Jährlich werden in Deutschland öffentliche Aufträge im Wert von rund 500 Milliarden Euro vergeben (Quelle: ForgentAI Marktüberblick). Für Sie als Bieter bedeutet das ein enormes Umsatzpotenzial, wenn Sie die Verfahrensarten strategisch nutzen. Die Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb bietet dabei eine besonders schnelle Route zum Zuschlag, da der öffentliche Auftraggeber direkt auf ausgewählte Unternehmen zugeht. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie sich für diese exklusiven Verfahren positionieren, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und wie Sie den Ablauf zu Ihrem Vorteil nutzen.

 

Inhalt

  • Was unterscheidet die freihändige Vergabe von der Verhandlungsvergabe?

  • Wann greift die Verhandlungsvergabe nach UVgO?

  • Verhandlungsvergabe mit oder ohne Teilnahmewettbewerb?

  • Schritt-für-Schritt: Ablauf der Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

  • Wie funktioniert der Ablauf mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb?

  • Checkliste: Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

  • Wie Forgent hier ansetzt

  • Häufige Fragen zu Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

 

 

Was unterscheidet die freihändige Vergabe von der Verhandlungsvergabe?

Mit der Einführung der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) im Jahr 2017 hat sich die Terminologie im deutschen Vergaberecht grundlegend geändert. Die ehemals bekannte freihändige Vergabe wurde durch die Verhandlungsvergabe ersetzt. Für Sie als Bieter ist wichtig: Inhaltlich bleibt das Prinzip identisch. Der öffentliche Auftraggeber wendet sich ohne formelle öffentliche Ausschreibung an eine begrenzte Anzahl von Unternehmen, um über die Auftragsbedingungen zu verhandeln.

Kriterium

Früher (VOL/A)

Heute (UVgO)

Bezeichnung

Freihändige Vergabe

Verhandlungsvergabe

Rechtsgrundlage

§ 3 VOL/A

§ 8 UVgO

Verhandlungsspielraum

Ja, über Preis und Leistung

Ja, über Preis und Leistung

Wenn heute von der Verhandlungsvergabe oder freihändigen Vergabe gesprochen wird, ist im Unterschwellenbereich rechtlich immer die Verhandlungsvergabe nach UVgO gemeint. Das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb (ehemals freihändige Vergabe) ist für Sie als Bid Manager besonders attraktiv, da der Wettbewerbsdruck geringer ist als bei einem offenen Verfahren. Sie konkurrieren in der Regel nur mit zwei weiteren Bietern, da Vergabestellen laut § 12 Abs. 2 UVgO mindestens drei Unternehmen zur Angebotsabgabe auffordern müssen.

Die korrekte Terminologie schützt Sie vor formalen Fehlern in der Bieterkommunikation.

 

Wann greift die Verhandlungsvergabe nach UVgO?

Die Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb nach UVgO ist kein Standardverfahren, sondern eine Ausnahme. Nach § 8 Abs. 4 der UVgO dürfen Vergabestellen diesen Weg nur unter strengen Voraussetzungen wählen. Für Sie als Bieter bedeutet das: Sie müssen die Ausnahmetatbestände kennen, um proaktiv auf Behörden zugehen zu können, wenn eine solche Situation eintritt.

 

Tipp: Positionieren Sie sich bei öffentlichen Auftraggebern als Notfall-Lieferant für dringliche Bedarfe, um bei kurzfristigen Verhandlungsvergaben direkt kontaktiert zu werden.

 

Die Verhandlungsvergabe nach UVgO ist unter anderem zulässig, wenn äußerst dringliche Gründe vorliegen, die der Auftraggeber nicht voraussehen konnte. Ein klassisches Beispiel sind unvorhersehbare Ausfälle kritischer Infrastruktur. Ebenso greift das Verfahren, wenn die Leistung aus technischen Gründen oder aufgrund des Schutzes von Ausschließlichkeitsrechten nur von einem bestimmten Unternehmen erbracht werden kann (Monopolstellung).

Leitfäden des Kompetenzzentrums für öffentliche Beschaffung (Quelle: KOINNO Publikationen) betonen, dass die Vergabestelle die Gründe für den Verzicht auf einen Teilnahmewettbewerb lückenlos dokumentieren muss. Hier zeigt sich ein klarer operativer Unterschied in der Vorbereitung: Während generische KI-Modelle wie ChatGPT bei der Analyse von Vergabedokumenten oft rechtliche Nuancen übersehen und laut Experten nur eine Treffsicherheit von 50 bis 80 Prozent erreichen (Quelle: ForgentAI CTO-Interview), extrahiert domänenspezifische KI die exakten Eignungsanforderungen aus den Vergabeunterlagen. Der Bid Manager entscheidet auf dieser validierten Datenbasis, ob sich der Aufwand für ein Angebot lohnt.

Die genaue Kenntnis der Ausnahmetatbestände sichert Ihren strategischen Wettbewerbsvorteil.


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Verhandlungsvergabe mit oder ohne Teilnahmewettbewerb?

Die Entscheidung der Vergabestelle für eine Verhandlungsvergabe mit oder ohne Teilnahmewettbewerb bestimmt maßgeblich Ihre Akquisestrategie. Bei der Verhandlungsvergabe mit Teilnahmewettbewerb schaltet der Auftraggeber einen öffentlichen Aufruf vor. Sie müssen zunächst Ihre Eignung nachweisen, bevor Sie zur eigentlichen Angebotsabgabe und Verhandlung zugelassen werden. Das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb nach UVgO ist nach § 8 Abs. 3 UVgO immer dann zulässig, wenn die Leistung konzeptionelle Erarbeitungen erfordert.

Im Gegensatz dazu entfällt bei der Variante ohne Teilnahmewettbewerb der öffentliche Aufruf komplett. Der Auftraggeber wählt die Unternehmen direkt aus dem Markt aus. Für Sie als Bieter heißt das: Ohne vorherige Sichtbarkeit und exzellente Netzwerkarbeit bei den Beschaffungsstellen werden Sie für diese Verfahren nicht berücksichtigt.

Auch wenn kein öffentlicher Aufruf stattfindet, müssen Auftraggeber die Grundsätze der Transparenz und Gleichbehandlung beachten, die sich an den Prinzipien aus § 97 GWB orientieren. Sie fordern daher meist mehrere bekannte Dienstleister parallel auf, um einen minimalen Wettbewerb zu simulieren.

Ihre proaktive Vertriebsarbeit entscheidet über die Teilnahme an diesen geschlossenen Verfahren.

 

Schritt-für-Schritt: Ablauf der Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

Der Ablauf der Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb ist stark komprimiert und erfordert von Ihnen als Bieter schnelle Reaktionszeiten. Da die Eignungsprüfung oft parallel zur Angebotswertung stattfindet, müssen Ihre Unterlagen vom ersten Tag an fehlerfrei sein. Die folgende Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie die einzelnen Phasen optimal meistern.

 

Schritt 1: Aufforderung zur Angebotsabgabe analysieren

Sobald Sie die direkte Aufforderung der Vergabestelle erhalten, prüfen Sie die Fristen und Leistungsbeschreibungen. Extrahieren Sie sofort alle geforderten Eignungsnachweise und Zuschlagskriterien. Erstellen Sie eine Compliance-Matrix, in der Sie jedes Kriterium einer konkreten Anforderung zuordnen. Das Ergebnis ist eine klare Bid/No-Bid-Entscheidung innerhalb der ersten 24 Stunden.

 

Schritt 2: Erstes verbindliches Angebot erstellen

Anders als bei einem offenen Verfahren ist Ihr erstes Angebot hier oft die Grundlage für spätere Verhandlungen. Kalkulieren Sie realistische Preise, aber lassen Sie strategischen Verhandlungsspielraum. Reichen Sie alle geforderten Formblätter vollständig ein. Ein unvollständiges Erstangebot führt auch in Verhandlungsverfahren häufig zum sofortigen Ausschluss.

 

Warnung: Spekulieren Sie nicht darauf, fehlende Eignungsnachweise in der Verhandlungsrunde nachreichen zu können. Die Vergabestelle darf unvollständige Angebote direkt ausschließen.

 

 

Schritt 3: In die Verhandlungsrunde gehen

Der Auftraggeber lädt die verbliebenen Bieter zu Verhandlungsgesprächen ein. Bereiten Sie sich auf Fragen zur technischen Umsetzung und zur Preisgestaltung vor. Dokumentieren Sie alle mündlichen Absprachen sorgfältig. Die Vergabestelle wird Ihnen nach dem Gespräch ein Protokoll zusenden, das Sie auf Richtigkeit prüfen müssen.

 

Schritt 4: Finales Angebot (BAFO) einreichen

Nach Abschluss aller Gespräche fordert der Auftraggeber Sie auf, ein Best and Final Offer (BAFO) abzugeben. Passen Sie Ihr ursprüngliches Angebot basierend auf den Verhandlungsergebnissen an. Überprüfen Sie abschließend, ob alle geänderten Parameter konsistent in die Preisblätter übertragen wurden.


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Wie funktioniert der Ablauf mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb?

Zum Vergleich lohnt sich ein Blick auf den Ablauf der Verhandlungsvergabe mit Teilnahmewettbewerb. Hier startet der Prozess mit einer öffentlichen Auftragsbekanntmachung. Sie müssen zunächst Teilnahmeanträge einreichen, in denen Sie ausschließlich Ihre fachliche, wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit nachweisen.

Die Vergabestelle prüft diese Anträge und wählt anhand vorher definierter objektiver Kriterien die besten Bewerber aus. Erst diese reduzierte Gruppe (meist drei bis fünf Unternehmen) wird zur Abgabe eines Erstangebots aufgefordert. Für Sie bedeutet das einen zweistufigen Aufwand: Sie müssen Ressourcen für den Teilnahmeantrag binden, ohne zu wissen, ob Sie überhaupt in die Angebotsphase gelangen.

Kalkulieren Sie bei zweistufigen Verfahren immer die internen Kosten für beide Phasen getrennt.

 

Checkliste: Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

  • Ausnahmetatbestände nach § 8 Abs. 4 UVgO für proaktiven Vertrieb identifizieren.

  • Aufforderung zur Angebotsabgabe innerhalb von 24 Stunden auf Machbarkeit prüfen.

  • Erstangebot vollständig inklusive aller Eignungsnachweise fristgerecht einreichen.

  • Verhandlungsstrategie für technische und preisliche Parameter festlegen.

  • Verhandlungsprotokolle der Vergabestelle umgehend auf inhaltliche Korrektheit prüfen.

  • Finales Angebot (BAFO) konsistent an die Verhandlungsergebnisse anpassen.

 

 

Wie Forgent hier ansetzt

Die manuelle Prüfung von Vergabeunterlagen und die Erstellung von Compliance-Matrizen in Excel kosten Bid-Teams oft wertvolle Tage. Als domain-spezifische KI-Plattform für Ausschreibungen unterstützt Forgent Sie End-to-End: Finden, Evaluieren, Bewerben und Verwalten. Das System analysiert komplexe Anforderungen automatisch und ermöglicht eine fundierte Bid/No-Bid-Entscheidung in unter 5 Minuten statt in mehreren Stunden. Die finale Entscheidung über die Angebotsabgabe und Verhandlungsstrategie treffen weiterhin Sie. In einer kurzen Demo sehen Sie, wie Forgent das bei Ihrer nächsten Ausschreibung übernimmt.

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Häufige Fragen zu Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb

Wie viele Unternehmen müssen bei der Verhandlungsvergabe angefragt werden?

Nach den Vorgaben der UVgO muss der öffentliche Auftraggeber in der Regel mindestens drei geeignete Unternehmen zur Angebotsabgabe auffordern. Dies soll einen minimalen Wettbewerb sicherstellen, auch wenn kein öffentlicher Teilnahmewettbewerb stattfindet. In begründeten Ausnahmefällen, etwa bei einer absoluten Monopolstellung eines Anbieters, kann auch nur ein einziges Unternehmen zur Verhandlung eingeladen werden. Für Sie als Bieter bedeutet das: Wenn Sie direkt angefragt werden, haben Sie statistisch gesehen eine sehr hohe Zuschlagschance von mindestens 33 Prozent.

 

Darf bei der Verhandlungsvergabe über den Preis verhandelt werden?

Ja, im Gegensatz zum offenen Verfahren ist bei der Verhandlungsvergabe die Verhandlung über den Preis ausdrücklich zulässig. Der Auftraggeber darf mit den Bietern über alle Angebotsinhalte sprechen, um das wirtschaftlichste Ergebnis zu erzielen. Ausgenommen von den Verhandlungen sind lediglich die vom Auftraggeber festgelegten Mindestanforderungen und die Zuschlagskriterien selbst. Sie sollten daher in Ihrem Erstangebot immer einen gewissen kaufmännischen Verhandlungsspielraum einplanen, ohne dabei unrealistisch teuer zu wirken.

 

Was ist der Unterschied zur Verhandlungsvergabe im Oberschwellenbereich?

Die Verhandlungsvergabe nach UVgO gilt ausschließlich für nationale öffentliche Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Oberhalb dieser Schwellenwerte greift die Vergabeverordnung (VgV). Dort heißt das vergleichbare Verfahren "Verhandlungsverfahren". Die rechtlichen Hürden für ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb nach VgV sind noch strenger gefasst als in der UVgO. Die grundlegende Systematik der direkten Ansprache und der anschließenden Verhandlungsrunden ist jedoch in beiden Rechtsrahmen sehr ähnlich aufgebaut.

 

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