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Wann das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb nach VgV und VOB/A zulässig ist: Voraussetzungen, Fristen und Ablauf für Bieter im Detail.


Felicitas von Rauch
Marketing & Sales
Key Takeaways
Das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb ist ein Ausnahmefall nach § 14 VgV und § 3a VOB/A.
Strenge Voraussetzungen wie Dringlichkeit, Monopolstellung oder gescheiterte Vorverfahren rechtfertigen die Anwendung.
Fristen sind in diesem Verfahren oft stark verkürzt, was eine schnelle Reaktionszeit im Bid Management erfordert.
Der direkte Verhandlungsspielraum ermöglicht eine gezielte Anpassung der Leistungsbeschreibung an die Bieterlösung.
Einführung
Laut dem EU Single Market Scoreboard 2023 machen Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb rund 5 Prozent der europäischen Vergaben aus. Für Sie als Bid Manager bedeutet das: Wenn ein öffentlicher Auftraggeber dieses Verfahren wählt, entfällt der breite Marktvergleich. Das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb ist ein Ausnahmefall im Vergaberecht, bei dem die Beschaffungsstelle direkt mit einem oder mehreren ausgewählten Unternehmen über die Auftragsbedingungen verhandelt, ohne die Leistung vorher öffentlich auszuschreiben. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wann diese Ausnahme nach VgV und VOB/A greift und wie Sie sich als Bieter optimal positionieren.
Inhalt
Welche Grundlagen gelten nach GWB, VgV und VOB/A?
Was ist der Unterschied zwischen Verfahren mit und ohne Teilnahmewettbewerb?
Wie läuft die Durchführung in der Praxis ab?
Welche Fristen gelten im Ausnahmefall?
Checkliste: Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb
Wie Forgent hier ansetzt
Häufige Fragen zu Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb
Welche Grundlagen gelten nach GWB, VgV und VOB/A?
Das Vergaberecht GWB sieht grundsätzlich den offenen Wettbewerb vor. Das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb ist laut § 14 VgV an strenge Voraussetzungen geknüpft. Es ist nur zulässig, wenn beispielsweise ein offenes Verfahren zuvor keine ordnungsgemäßen Angebote erbracht hat, eine extreme Dringlichkeit vorliegt oder das beauftragte Unternehmen eine absolute Monopolstellung besitzt. Für Bauleistungen regelt § 3a VOB/A vergleichbare Ausnahmetatbestände.
Für Sie als Bieter heißt das: Sie können sich auf diese Verfahren nicht proaktiv über Vergabeportale bewerben. Sie müssen dem Auftraggeber bereits als leistungsfähiger Partner bekannt sein.
Tipp: Pflegen Sie den direkten Kontakt zu Beschaffungsstellen vor der Vergabe, da Auftraggeber in diesem Verfahrensmodus gezielt auf bekannte Marktteilnehmer zugehen.
Der rechtliche Rahmen schützt den Wettbewerb strikt.
Was ist der Unterschied zwischen Verfahren mit und ohne Teilnahmewettbewerb?
Die Wahl zwischen einem Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb und einem Verfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb ändert den Akquiseprozess grundlegend.
Kriterium | Mit Teilnahmewettbewerb | Ohne Teilnahmewettbewerb |
|---|---|---|
Öffentlichkeit | Europaweite Bekanntmachung | Keine öffentliche Bekanntmachung |
Bieterkreis | Jeder kann Teilnahmeantrag stellen | Auftraggeber wählt Bieter direkt aus |
Rechtsgrundlage | Regelfall bei komplexen Leistungen | Strenger Ausnahmefall (§ 14 VgV) |
Verfahrensdauer | Lang (zweistufiger Prozess) | Kurz (direkte Aufforderung) |
Während generische KI-Modelle bei der Unterscheidung dieser Verfahrensarten oft unpräzise bleiben, erkennt eine domänenspezifische KI sofort, ob eine Ausschreibung einen Teilnahmewettbewerb erfordert. Dies verhindert, dass Sie Ressourcen in die Suche nach Bekanntmachungen investieren, die gar nicht existieren.
Die Verfahrenswahl diktiert Ihre gesamte Akquisestrategie.

Wie läuft die Durchführung in der Praxis ab?
Wenn Sie zu einem Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb eingeladen werden, entfällt die Eignungsprüfung über einen separaten Antrag. Der Prozess startet direkt mit der Angebotsphase.
Schritt 1: Aufforderung zur Angebotsabgabe prüfen
Analysieren Sie die übermittelten Vergabeunterlagen sofort nach Erhalt. Prüfen Sie, ob Sie die geforderten Leistungsparameter und Fristen erfüllen können. Die KI analysiert die übermittelten Vergabeunterlagen auf formale K.O.-Kriterien und extrahiert die Kernanforderungen. Der Bid Manager entscheidet auf Basis dieser aufbereiteten Daten final über die Teilnahme.
Schritt 2: Erstes Angebot ausarbeiten
Erstellen Sie ein vollständiges Erstangebot. Auch wenn später verhandelt wird, muss dieses Dokument alle zwingenden Mindestanforderungen der Leistungsbeschreibung erfüllen. Unvollständige Erstangebote können laut § 17 VgV zum sofortigen Ausschluss führen.
Schritt 3: In die Verhandlungsphase eintreten
Der Auftraggeber lädt Sie zu Verhandlungsgesprächen ein. Hier können technische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte des Angebots optimiert werden. Protokollieren Sie alle besprochenen Änderungen detailliert, da diese die Grundlage für Ihr finales Angebot bilden.
Schritt 4: Finales Angebot (BAFO) einreichen
Nach Abschluss der Verhandlungen fordert die Vergabestelle zur Abgabe des Best and Final Offer (BAFO) auf. Passen Sie Ihre Kalkulation und das Konzept exakt an die Verhandlungsergebnisse an. Danach sind keine weiteren Änderungen mehr zulässig.
Das finale Angebot bindet Sie rechtlich.
Welche Fristen gelten im Ausnahmefall?
Da das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb oft wegen extremer Dringlichkeit gewählt wird, greifen die regulären Mindestfristen der VgV hier nicht zwingend. Gemäß § 17 VgV legt der Auftraggeber die Fristen für den Eingang der Erstangebote unter Berücksichtigung der Komplexität der Leistung fest.
Der Markt für öffentliche Ausschreibungen in Deutschland umfasst ein jährliches Auftragsvolumen von 500 Milliarden Euro (Quelle: Öffentliche Ausschreibungen sind Deutschlands nächster Wachstumsmotor). In diesem dynamischen Umfeld müssen Bieterteams extrem schnell reagieren, wenn eine direkte Aufforderung eingeht. Oft bleiben nur wenige Tage für die Kalkulation.
Bevor Sie in die Verhandlung starten, definieren Sie Ihre absolute Preisuntergrenze.

Checkliste: Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb
Aufforderung und Leistungsbeschreibung auf Vollständigkeit prüfen.
Erstes Angebot fristgerecht und formkonform einreichen.
Verhandlungsstrategie und kommerzielle Spielräume im Team festlegen.
Finales Angebot (BAFO) kalkulieren und verbindlich abgeben.
Diese Checkliste sichert Ihren Prozess ab.
Wie Forgent hier ansetzt
Die manuelle Prüfung von Vergabeunterlagen und die Ausarbeitung von Angeboten unter hohem Zeitdruck kosten wertvolle Stunden. Als domain-spezifische KI-Plattform für Ausschreibungen deckt Forgent den gesamten Prozess ab: von Finden über Evaluieren und Bewerben bis zum Verwalten. Die Plattform ermöglicht eine Bid/No-Bid-Entscheidung in unter 5 Minuten statt in Stunden. Die finale Entscheidung treffen weiterhin Sie.
In einer kurzen Demo sehen Sie, wie Forgent das bei Ihrer nächsten Ausschreibung übernimmt.
Häufige Fragen zu Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb
Wann ist das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb zulässig?
Das Verfahren ist nur in streng definierten Ausnahmefällen zulässig, etwa bei extremer, unvorhersehbarer Dringlichkeit, wenn nur ein einziges Unternehmen die Leistung erbringen kann (Monopol) oder wenn vorherige offene Verfahren keine wirtschaftlichen Angebote erbracht haben.
Dürfen Auftraggeber den Preis verhandeln?
Ja, im Verhandlungsverfahren dürfen grundsätzlich alle Aspekte des Angebots verhandelt werden, einschließlich des Preises. Ausgenommen sind lediglich die vom Auftraggeber festgelegten Mindestanforderungen und die Zuschlagskriterien.
Wie viele Unternehmen müssen eingeladen werden?
Wenn der Ausnahmegrund der extremen Dringlichkeit oder eines Monopols vorliegt, kann der Auftraggeber auch nur ein einziges Unternehmen zur Angebotsabgabe auffordern. In anderen Fällen sollten, sofern möglich, mehrere geeignete Unternehmen zur Sicherstellung eines Restwettbewerbs eingeladen werden.
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